Sölden – Nr. 1 in der alpinen Landwirtschaft
Ein Spitzenplatz, der wenig bekannt ist
Viele wissen, dass Sölden die nächtigungsstärkste Tourismusgemeinde Österreichs ist.
Weniger bekannt ist, dass der Ort auch in der Almbewirtschaftung eine führende Stellung einnimmt. In keinem anderen österreichischen Ort werden Almen so umfassend gepflegt wie hier.
Almdaten, die für sich sprechen
Sölden liegt in mehreren Bereichen der Almflächenbewirtschaftung österreichweit an erster Stelle:
- 4.323,95 Hektar standortangepasste Almbewirtschaftung – Platz 1 in Österreich
- 2.383,39 Hektar Natura-2000-Flächen – unter den Top 10 in Österreich
- 8.490 gealpte Schafe – ebenfalls Platz 1 und fast doppelt so viele wie der zweitgereihte Ort
Die Gemeinde zählt 100 landwirtschaftliche Betriebe und kommt damit auf Platz 185 unter den heimischen Kommunen, also unter die führenden 10 %.
In Sölden, Gurgl, Vent und Zwieselstein kommt auf 25 Einwohner ein landwirtschaftlicher Betrieb – ein Wert, der zeigt, wie stark die bäuerliche Struktur im Ort verankert ist.
Bäuerliche Arbeit im Nebenerwerb & im Tourismus zuhause
Der Großteil der Bäuerinnen und Bauern in Sölden bewirtschaftet seinen Hof im Nebenerwerb.
Viele sind klassische Bergbauernfamilien, deren Höfe in steilen Lagen liegen.
Gleichzeitig finden viele von ihnen im Tourismus eine berufliche Heimat und einen Abnehmer landwirtschaftlicher Erzeugnisse – und damit eine wirtschaftliche Basis, die ihre bäuerliche Arbeit möglich macht.
Diese Doppelrolle prägt Sölden: Landwirtschaft und Tourismus stehen nicht nebeneinander, sie greifen ineinander. Der Tourismus schafft Einkommen und Beschäftigung.
Die Landwirtschaft sichert jene Kulturlandschaft, die das Tal ausmacht.
Rinder, Schafe, Pferde & eine bewährte Struktur
In Sölden gibt es:
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69 Halter von Rindern mit insgesamt 575 Großvieheinheiten (GVE)
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82 Halter von Schafen mit 432 GVE
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pro Betrieb im Schnitt 8 Rinder-GVE und 5 Schaf-GVE
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Viele Höfe halten zudem Pferderassen wie Haflinger, die perfekt an den alpinen Lebensraum angepasst sind.
Bei den Milchbetrieben stehen im Durchschnitt 5 Kühe pro Betrieb im Stall.
Das sind kleine Strukturen, aber sie sind typisch für einen alpinen Lebensraum, der seit Generationen seine hochgelegene Weiden und landwirtschaftliche Flächen in Steillagen pflegt.
Warum standortangepasste Almbewirtschaftung so entscheidend ist
Sölden ist mit 467 m² Österreichs flächenmäßig größte Gemeinde. Sie umfasst auch die Orte Gurgl, Vent und Zwieselstein. Viele Bäuerinnen und Bauern arbeiten hier nach dem Prinzip der standortangepassten Almbewirtschaftung.
Das bedeutet: Tierhaltung, Flächennutzung und Pflege richten sich exakt nach den natürlichen Bedingungen des Standorts – nach Höhenlage, Klima, Vegetation und Boden.
Ziel dieser Form der Bewirtschaftung ist es, die Kulturlandschaft zu erhalten, die Biodiversität zu stärken und Verbrachung oder Überweidung zu vermeiden.
Für die Ötztalerinnen und Ötztaler ist diese Arbeit mehr als Routine.
Sie hält die Landschaft offen, fördert den Wasserabfluss, schützt vor Naturgefahren und formt das Bild des Tales. Viele Wanderwege, Zustiege und Aussichtsplätze wären ohne diese Pflege längst zugewachsen.
Ein Zusammenspiel, das das Tal prägt
Söldens Stärke liegt in der Verbindung aus Tourismus und Berglandwirtschaft.
Ohne den Tourismus könnten viele Höfe nicht mehr betrieben werden.
Ohne die Höfe würde die Kulturlandschaft verschwinden, die viele Menschen im Tal – wie auch Gäste – als selbstverständlich ansehen. Diese Balance ist für Sölden und das gesamte Ötztal von großer Bedeutung.
Sie hält ein Stück bäuerlicher Kultur lebendig und sorgt dafür, dass die Landschaft so bleibt, wie sie von Generationen gestaltet wurde.
Die Almbewirtschaftung ist ein Kernstück unserer Identität. Sie verbindet Generationen und hält unsere Landschaft offen. Ohne die Bäuerinnen und Bauern wäre Sölden nicht das, was es ist.
Ernst Schöpf, Bürgermeister von Sölden